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300 Bäume, 1 Kilometer Zaun und jede Menge Schweiß

Autorenbild: Das Dynamis-Blogger-Team
Das Dynamis-Blogger-Team
vor 11 Minuten
6 Min. Lesezeit

Von Slum bis Setzling: Royal Ranger in Uganda


Im August machte sich ein Team der Royal Ranger für Dynamis auf den Weg zu einem RIDE3-Einsatz – der höchsten Auszeichnung eines Royal Rangers -nach Uganda. Ihr Auftrag: Menschen begegnen und ermutigen, praktische Hilfe leisten und gemeinsam mit dem Team vor Ort eine Plantage auf der Kairos Farm anlegen.


Was sie dort geschafft haben, kann sich sehen lassen: mehr als 300 Pflanzlöcher gegraben, über einen Kilometer Weidezaun gezogen und über 300 junge Obst- und Nussbäume gepflanzt.



Kairos Hospital & School: Blick auf das Big Picture


Doch von vorn: Denn nach der ersten Nacht in Seeta ging es für das Einsatzteam erst einmal über staubige Erdstraßen hinauf zum Kairos Hospital. Dort gab ihnen Dr. Alex nicht nur die Malaria-Prophylaxe, sondern auch einen Einblick in die medizinische Arbeit und in die Vision für die weitere Entwicklung des Krankenhauses. Rasch wurde deutlich: Kairos Farm ist kein Projekt zum Selbstzweck, sondern Teil einer größeren Vision. Die Erträge sollen langfristig dazu beitragen, die medizinische Arbeit des Kairos Hospitals nachhaltiger zu finanzieren.



Actionreich ging es in Kairos School weiter. Lehrer und Schüler empfingen die Ranger mit einem bunten Programm aus Worship, Tanz und Theater. Und auch die Deutschen stellten sich vor – mit Bewegungsliedern, persönlichen Zeugnissen und einer kleinen Vorstellung dessen, was Royal Rangers eigentlich machen.



Die Wirkung? Ein eindrucksstarkes Puzzleteil im Bild junger ugandischer Mädchen und Jungen von deutschen Christen und wie sie den humanitären Auftrag ihres Glaubens leben. Pastor Eric war so begeistert, dass er selbst einen Royal-Ranger-Stamm an der Schule gründen möchte. Wir sind gespannt, was sich daraus entwickelt.


Im Slum von Nawamungo: Armut, die zum Himmel stinkt


Bevor es zur Farm ging, führte der Weg nach Nawamungo – mitten hinein in den Slum von Kampala.


Irene und Washwa, die dort für unseren lokalen Partner als Sozialarbeiter tätig sind, begleiteten das Team durch das Labyrinth von Wellblechhütten, wackligen Verkaufsständen mit gesalzenem Fisch aus dem Victoriasee, blutigem Ziegenfleisch, kopfüber aufgehängten lebendigen Hühnern, Obst und Gemüse, Gräben gefüllt mit Unrat und Fäkalien, vorbei an dreckverschmierten Kindern, hupenden Motorrädern, brodelnden Kochtöpfen und feilschenden Händlern.

 


Der Gestank einer öffentlichen Toilette, an der sie vorbeikamen – in den Slumbehausungen gibt es weder fließend Wasser noch ein Bad – war unerträglich. 100 Uganda Schilling kostet die Nutzung. Kein Wunder, dass die meisten „ihr Geschäft“ stattdessen in irgendeinem dunklen Eck verrichten. Bei starkem Regen läuft das Abwasser mitsamt dem ganzen Unrat dann über die Straßen und sogar in Häuser.


Doch den Rangern begegneten nicht nur Not, sondern auch Hoffnung.


Wie bei den Familien, in denen ein Kind mit einer Dynamis Schulpatenschaft gesponsert wird und das so die Schule besuchen kann. Oft ruht auf diesem Kind die Hoffnung der gesamten Familie. Zusätzlich zu den derzeit ca. 100 Patenkindern auch dem Slum sind aktuell rund 30 Familien aus dem Slum für das Sponsoring eines Kindes registriert und warten auf Schulpaten. Selbst unter den schwierigsten Bedingungen werden diese Familien angeleitet, soziale Verantwortung zu übernehmen und einen kleinen Beitrag zu leisten, um die Förderung zu erhalten.


Eine moslemische Familie, die das Team besuchte, kämpft mit besonders schwierigen Umständen: Vom Vater verlassen versorgt die Mutter ihre kranken und dementen Eltern, keines der drei Kinder geht zur Schule, die elfjährige Tochter muss sogar mit dem Verkauf von Obst und Gemüse den Lebensunterhalt sichern. Auch sie sind registriert und hoffen auf eine Schulpatenschaft.



Besonders ermutigend war auch das Wiedersehen mit Florence, der dreifachen Mutter und Slumbewohnerin, die im Jahr zuvor dank des Behandlungssponsoring im Kairos Hospital die lebensrettende Blinddarm-OP erhielt. Nach der Genesung war es ihr mit der spendenfinanzierten, elektrischen Nähmaschine gelungen, eine Bäckerei an der Hauptstraße zu finden, die sie in einem Eck nähen und ihre Arbeit verkaufen lässt. Heute, nur ein Jahr später, kann sie ihrer Familie von diesem Einkommen eine kleine Unterkunft außerhalb des Slums und ihrer Tochter das Studium finanzieren. Was für Segen!


Auf nach Kigoba: van Gogh und der etwas andere Gottesdienst


Und dann ging es endlich auf die Farm. Zelte wurden aufgebaut, Schlafsäcke ausgerollt, Moskitonetze aufgehängt, schließlich Land, Vieh und Acker erkundet und Pläne für die eigentliche Mission des Einsatzes gemacht: das Anlegen der Plantage.


Am Sonntag konnten die Ranger einige unserer Dorfschul-Patenkinder besuchen und gemeinsam mit örtlichen Gemeinden Gottesdienst feiern: in Lwamata, Kiboga und in

der Farmkirche. Trommeln, Gesang, Tanz und Gebet machten deutlich: Hier geht es nicht nur um Projekte. Hier geht es um Menschen und Beziehungen.



Und zum Dank für den Einsatz, den das Team leisten wollte, überreichte ihnen das Dorf großzügig (obwohl sie selbst kaum Fleisch zum Essen haben) - zusammen mit Gemüse und einer ganzen Kochbananenstaude mit 100 Bananen - einen lebenden Hahn. Im Kochtopf würde dieser ihnen die Kraft schenken, die sie für die Arbeit brauchten.


Doch der Hahn bekam einen Namen und als „Luis van Gogh“ konnte er natürlich keinesfalls im Kochtopf enden. - Verstehe einer diese Mzungus! 😉 - Und so erwartete die Ranger am folgenden Montag eine ganz andere Art von Gottesdienst: Der Gottesdienst mit der Schaufel. Für die Menschen. Und ganz ohne Hühnersuppe.



Mango, Avocado, Macadamia & Jackfruit: Willkommen auf Kairos Farm!


Jetzt wurde angepackt. Das Feld war bereits gepflügt, musste aber weiter vorbereitet werden. Der Traktor glättete den Boden und zusammen mit acht jungen Erwachsenen aus Kampala gruben die Ranger die Pflanzlöcher. 300 Löcher bei 30 Grad Hitze aus knochentrockenem, hartem Boden auszuheben bedeutete körperliche Schwerstarbeit, Schweiß in den Augen, Schwielen und Blasen an den Händen.


Und dann kamen sie endlich: die ersten kleinen Bäume - Mango. Avocado. Macadamia. Jackfruit.


Jeder Setzling bekam Kuhdung und Erde, eine schützende Schicht Stroh und – weil der Regen auf sich warten ließ – reichlich Wasser. Zwei Jugendliche trugen zunächst 20-Liter-Kanister rund 800 Meter vom Brunnen zu den frisch gepflanzten Bäumen. Später wurde ein großes Fass mit Wasser gefüllt und mit dem Traktor zu den Pflanzen gefahren. So bekam der Traktor neben Pflügen und Eggen noch einen weiteren Job: Gießkanne XXL.


Und am Ende der Woche konnten 300 Bäume auf der neuen Plantage beginnen, Wurzeln zu schlagen.



Damit die Pflanzen nicht den Rindern und Ziegen auf der Farm zum Opfer fallen, musste zeitgleich ein Schutzzaun um die Plantage gezogen werden. Dabei gestaltete sich ohne Obi und Co. schon der Materialkauf schwierig. Doch schließlich konnten wir mit 200 Zaunpfählen, 400 Isolatoren, rund 800 Schrauben und über zwei Kilometer Elektrodraht zu Werke schreiten und unsere junge Plantage einzäunen.



Und das vielleicht Wichtigste geschah bei alledem ganz nebenbei.


Denn die Ranger arbeiteten nicht allein. Die jungen Erwachsenen aus Kampala und einige lokale Arbeiter aus der Umgebung halfen mit. An den Abenden saßen die Ranger mit ihnen zusammen, tauschten sich aus, sangen, beteten und spielten miteinander. Am letzten Abend gab es ein Lagerfeuer und Zeit zum gemeinsamen Rückblick.


Auch Wissen wurde geteilt. Farmangestellte wie Nathan und Wilson lernten, wie der Zaun funktioniert, wie er aufgebaut wird und wie die Werkzeuge eingesetzt werden. Sogar eine Kombizange war für sie eine neue Bekanntschaft.


Und am Ende der Woche wurde beim gemeinsamen Fußballspiel gegen die Jugendlichen aus dem angrenzenden Dorf auch sportlich alles geklärt: 1:1. Das gegnerische Tor? Abseits. Sagen jedenfalls die Deutschen. 😉 Und am Spielfeldrand? Da ging es mindestens ebenso heiß her. Denn während des Sportspektakels auf dem Platz bliesen Fans die Nationalhymne auf Kazoos und gemeinsam animierten wir eine Schar von mehr als 40 neugierige Kinder zwischen 4 bis 12 Jahren mit Sprechgesängen und Trommeln auf leeren Wasserfässern. Ein geniales Erlebnis!


So stellen wir uns den Brückenbau zwischen Menschen, Ländern und Kulturen vor.



Der Motor läuft ...


Mehr als 300 Bäume stehen jetzt auf Kairos Farm. Noch sind sie klein. Noch bringen sie keine Ernte. Noch muss weiter gegossen, gepflegt und geschützt werden. Aber genau darum geht es bei diesem Projekt: Heute investieren, damit morgen etwas wachsen kann.


Die Farm soll langfristig Erträge erwirtschaften und damit helfen, die Arbeit des Kairos Hospitals nachhaltiger zu finanzieren. Die Royal Ranger haben dafür ganz praktisch den Boden bereitet – im wahrsten Sinne des Wortes.


Und Emmanuel brachte es beim Abschied auf ein schönes Bild: Die Situation sei für ihn manchmal wie ein Auto mit schwacher Batterie. Man gibt ihm Starthilfe – und plötzlich läuft der Motor und das Auto fährt wie von selbst.


Fast wie die Idee hinter diesem Einsatz. Nicht für immer anstelle der Menschen vor Ort arbeiten. Sondern gemeinsam anschieben, Wissen teilen, Beziehungen bauen und etwas in Bewegung bringen, das anschließend selbst weiterlaufen kann.


„Approved Uganda Supporter“


Zum Abschluss des Einsatzes gab es für alle Beteiligten ein Zertifikat als „Approved Uganda Supporter“. Die Royal Ranger erhielten außerdem das schwer verdiente und heiß begehrte höchste Abzeichen eines jeden Royal Rangers für den geleisteten RIDE3-Einsatz.

Danke, danke, danke an alle Beteiligten, Spender, Supporter, Organisatoren, Good-Gossip-Spreader, und ganz besonders an alle beteiligten Royal Ranger. Für Kairos Farm habt ihr Geschichte geschrieben!

 
 

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